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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

19.02.2020 - Bericht veröffentlicht: Fehlende staatliche Kapazität besondere Herausforderung für Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Ländern

Afghanistan, DR Kongo, Myanmar – mehr als 50 Staaten weltweit werden von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als fragil eingestuft. Gleichzeitig wird über die Hälfte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Staaten umgesetzt. Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) hat in einer Studie die deutsche Entwicklungspolitik in fragilen Staaten untersucht, und kommt zu überwiegend positiven Ergebnissen. Fehlende staatliche Kapazität – das bedeutet mangelnde Verwaltungsstrukturen und eine geringe Fähigkeit des Staates Basisdienstleistungen bereitzustellen – wird jedoch als besondere Herausforderung für den Erfolg von Projekten in diesen Ländern identifiziert.

Fragilität verstehen: Mangelnde Autorität, Legitimität und Kapazität des Staates

1,8 Milliarden Menschen leben weltweit in fragilen Staaten. Fragilität zeichnet sich zum Beispiel durch bewaffnete Konflikte oder fehlenden Zugang der Bevölkerung zu Justiz oder Gesundheitsleistungen aus. Um entwicklungspolitische Maßnahmen gut auf den jeweiligen lokalen Kontext abzustimmen, ist ein geeignetes Verständnis von Fragilität notwendig. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stuft Fragilität anhand von drei Dimensionen ein: Dem Gewaltmonopol des Staates (Autorität), der Akzeptanz der politischen Herrschaft des Staates (Legitimität), sowie der Kapazität, das heißt der Fähigkeit des Staates Basisdienstleistungen und eine funktionierende staatliche Verwaltung bereitzustellen.

Positive Bewertung der Konzepte und strategischen Ausrichtung

Die DEval-Studie bewertet die strategische Ausrichtung des BMZ im Umgang mit fragiler Staatlichkeit überwiegend positiv. Eine Allokationsanalyse der Evaluierung offenbart zudem, dass die Mittelzuweisungen des BMZ seinen strategischen Vorgaben folgen. Eine Ausnahme bildet im untersuchten Zeitraum allerdings die Unterstützung nichtstaatlicher Akteure in fragilen Kontexten, wo das BMZ hinter seinen strategischen Vorgaben zurückbleibt. Das DEval empfiehlt daher handlungsleitende Prinzipien für den Umgang mit nichtstaatlichen Akteuren zu prüfen und deren Umsetzung sicherzustellen.

Fehlende staatliche Kapazität hat Auswirkungen auf den Erfolg von Vorhaben

In der Umsetzung zeigt sich, dass insbesondere Entwicklungsprojekte in Staaten mit höherer staatlicher Kapazität erfolgreicher sind. Staatliche Kapazität erweist sich somit als wesentlich, um den Erfolg entwicklungspolitischer Vorhaben sicherzustellen. Das DEval empfiehlt dem BMZ deshalb eine detaillierte Analyse der Risiken in Partnerländern mit niedriger staatlicher Kapazität durchzuführen, um diese in der Planung berücksichtigen zu können.

Projekte in fragilen Ländern nicht schlechter bewertet

Aufgrund der hohen Unsicherheit ist die Durchführung von Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Staaten besonders schwierig. Eine Analyse von Evaluierungsberichten der KfW Entwicklungsbank und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zeigt aber, dass Projekte in Ländern, die als fragil eingestuft werden, im Allgemeinen nicht weniger erfolgreich bewertet werden als in nicht-fragilen Kontexten.

Datengrundlage

Die Datengrundlage des Berichtes besteht unter anderem aus einer Analyse der entwicklungspolitischen Strategien des BMZ sowie seiner eingesetzten Finanzmittel. Daneben wurde unter Anwendung von Text Mining Methoden eine Synthese aus 471 Evaluierungsberichten der KfW Entwicklungsbank und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erstellt.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Dr. Sven Harten

Leiter Kompetenzzentrum Methoden / Stellvertretender Direktor
Telefon: +49 (0)228 336907-950
sven.harten@DEval.org

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