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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

16.10.2019 - Wirtschaftsnobelpreis für experimentellen Ansatz zur Linderung von globaler Armut

Am 14. Oktober 2019 erhielten Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer den Wirtschaftsnobelpreis für ihren „experimentellen Ansatz zur Linderung der globalen Armut“. Ihre Forschung hat vor allem durch die von ihnen angewandten experimentellen Methoden der Wirkungsevaluierung Bekanntheit erlangt.

In ihrer Forschung brechen Banerjee, Duflo und Kremer die großen und komplexen Fragen, warum Menschen arm sind und wie Armut reduziert werden kann, auf kleine, handhabbare Unterfragen herunter. Sie fragen nach der Wirksamkeit von einzelnen, spezifischen Maßnahmen zur Linderung von Armut und testen die Wirksamkeit dieser Maßnahmen in speziell konzipierte Feldexperimenten – ein Ansatz der aus klinischen Studien in der Medizin bekannt ist.

Feldexperimente zeigen Wirkungen oder Wirkungslosigkeit von Maßnahmen

Aufgrund seiner Praxisnähe entwickelte dieser Ansatz und verwandte quasi-experimentelle Verfahren in den letzten beiden Jahrzehnten auch für die internationale Entwicklungszusammenarbeit eine große Bedeutung. Beispielsweise haben die Preisträger in Feldexperimenten in Indien und Kenia herausgefunden, dass die Ausgabe von Schulbüchern keine direkte Auswirkung auf die Schulleistungen von Kindern hat; ganz im Unterschied zu großen positiven Effekten individuellen Förderunterrichts, da auf die spezifischen Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern eingegangen werden kann. Auch in vielen anderen Bereichen, etwa bei Bekämpfung von Unterernährung, politischer Partizipation oder der Vergabe von Mikrokrediten haben Feldexperimente teils überraschende Wirkungen von Interventionen offengelegt aber auch die Wirkungslosigkeit einiger Maßnahmen gezeigt.

Relevanz für die Verbesserung von Politik, Programmen und Projekten

Der experimentelle Ansatz der Wirkungsmessung hat zu weitreichenden Veränderungen in der sozialwissenschaftlichen Entwicklungsforschung geführt - auch wenn dieser nicht frei von Kritik und Limitationen ist. DEval-Direktor Prof. Dr. Jörg Faust: „Sicherlich können nicht alle wirkungsrelevanten Fragestellungen in der Entwicklungszusammenarbeit mit experimentellen oder quasi-experimentellen Verfahren beantwortet werden. Zweifelsohne hat aber insbesondere auf internationaler Ebene die Praxisnähe und die Rigorosität der experimentell orientierten Feldforschung und Wirkungsevaluierung eine hohe Relevanz für die Verbesserung armutsrelevanter Politiken, Programme und Projekte erlangt.“

Experimentelle Ansätze in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Innerhalb der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wurden experimentelle und quasi-experimentelle Evaluierungsverfahren bisher eher vereinzelt und unsystematisch erprobt. Um die Potenziale und Hürden dieser Ansätze für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auszuloten, beschäftigt sich das DEval in einem vom BMZ finanzierten Forschungsprojekt zu „Rigoroser Wirkungsevaluierung“ mit diesen Ansätzen und untersucht, wie solche Wirkungsevaluierungen systematischer und gegenstandsangemessen genutzt werden können.

Mehr zum Projekt: Rigorose Wirkungsevaluierung/Rigorous Impact Evaluation (RIE)

 

Was ist Rigorose Wirkungsevaluierung?

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