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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

06.08.2019 - Tut die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Partnerland noch das Richtige?

Mit seinem Konzept für die Erstellung sogenannter Länderportfolioreviews hat das DEval ein neues Lerninstrument für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit geschaffen. Die Reviews sollen die strategische Ausrichtung deutscher Entwicklungsmaßnahmen in einem Partnerland überprüfen und Impulse zur Verbesserung von Länderportfolios geben. Hierdurch soll das Instrument helfen, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit besser zu steuern.

Dazu DEval-Direktor Prof. Dr. Jörg Faust: „Wirksame Entwicklungszusammenarbeit muss sowohl auf die aktuellen Bedarfe im Partnerland eingehen als auch übergeordnete entwicklungspolitische Interessen berücksichtigen. Da die lokalen Bedarfe, aber auch deutsche und internationale Agenden sich verändern können, sind Lernprozesse ein entscheidender Bestandteil guter Entwicklungszusammenarbeit. Unser Instrument der Länderportfolioreviews soll diese Lernprozesse unterstützen. Wir geben den Länderverantwortlichen damit ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie ihre Länderstrategien regelmäßig überprüfen und verbessern können.“

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt seit einigen Jahren vermehrt auf übergeordnete Länderstrategien. Damit reagiert es auch auf die Anforderungen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Die Länderstrategien sollen der zunehmenden Fragmentierung der Entwicklungszusammenarbeit entgegenwirken. Zudem sollen die Prioritäten der Partnerländer noch stärker Berücksichtigung finden. Für die Beurteilung der Länderstrategien hat es aber bisher an der notwendigen systematischen Evidenz gefehlt, wie der Prüfbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu Deutschland 2015 feststellte. Diese Evidenzlücke zu schließen, will das DEval mit dem Instrument der Länderportfolioreviews ermöglichen.

Die Länderportfolioreviews beantworten die Frage: ‚Macht die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Partnerland noch das Richtige?‘“, so DEval-Teamleiter Christoph Hartmann. „Das Instrument zeigt mögliche Szenarien zur Verbesserung des Portfolios auf und bietet Entscheidungshilfe.“ Werden die Bedarfe der Partner ausreichend berücksichtigt? Wie gut funktioniert im Land die Kooperation der Maßnahmen mit anderen Akteuren? Neben diesen Faktoren untersuchen Länderportfolioreviews auch die Einbettung der Länderstrategie in die gesamtstrategischen Prioritäten der Bundesregierung und des BMZ. Es wird beispielsweise überprüft, ob einzelne Maßnahmen übergeordneten Zielen widersprechen und welche Handlungsmöglichkeiten es gegebenenfalls gibt. Letztere wären im Fall einer Kollision mit den deutschen Klimaverpflichtungen beispielsweise der Rückzug aus dem Energiesektor im Partnerland oder die Förderung von erneuerbaren Energien.

Eine vergleichende Betrachtung der Ergebnisse von Portfolioreviews aus mehreren Ländern ermöglicht zudem übergreifende Erkenntnisse zur Verbesserung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das DEval empfiehlt dem BMZ daher, das Instrument auf Länderebene einzuführen und für die übergeordnete Steuerung der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zu nutzen.

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